Saturday, July 22, 2006

Kein Triumph für Siegfried Weyh
Dass der HNA-Kulturteil niemals von Relevanz für den gebildeten Leser war, ist inzwischen hinläufig bekannt. Er ist wohl eher Spielplatz für wortverliebte Redakteure und Auslaufgehege für alle vom großen Feuilleton Träumenden. Und hier wie in keinem anderen Teil der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen zeigt sich, dass ein kritisches Gegenlesen vor dem Druck Wunder wirken könnte.

Betrachten wir den Beitrag "Der Triumph des Dreiklanges" von Siegfried Weyh aus der HNA von Samstag, dem 22. Juli 2006.
Der in drei Teile gegliederte Artikel ("Trompete, die Erste", "Trompete, die Zweite", "Trompete, die Dritte" - Gratulation Herr Weyh) beginnt mit einem acht Zeilen langen, unverständlichen Zitat aus einem Lexikon. Auch so kann man lästige Formulierungsarbeit vermeiden... Es folgt die wohl sexistischste Beschreibung eines rein weiblich besetzen Trompetenkonzerts: "Und nun dies! Das so trocken beschriebene Metallgerät in der Hand und an den Lippen jugendlich-blasfreudiger Weiblichkeit." Kaum kann der Autor seine Verwunderung über die Virtuosität der Künstlerinnen (in der Tat, Herr Weyh, es handelt sich um Frauen!) verbergen. Er kommt zu einem überraschenden Schluss: "Aber es gibt ja Astronautinnen, Stierkämpferinnen, Bundeskanzlerinnen* - und also auch Trompeterinnen."
Das Konzept der Atrraktivierung des Konzertes durch Sexualisierung scheint bei Herrn Weyh vollkommen aufzugehen. Kaum schafft er es die Namen aller "fünf in luftigen, schwingenden Kleidern und Röcken" musizierenden Damen aus der "Amazonenriege" und die zugehörigen Instrumente und Komponisten aufzuzählen. Letzlich besteht der Hauptteil seines Artikels aus Statistik. Wer rechnet auch damit, dass das HNA-Feuilleton so wenige Zeichen für ihn bereit hält?
Kein Wunder also, dass er dann seine beiden weiteren Artikelteile in furchtbarer Eile abhakt. Zwei Sätze zu Reinhold Friedrichs Darbietung auf der Trompete, zwei Sätze zu Martin Lücker an der Orgel.

Das war er also: der "Triumph des Dreiklangs"? Wohl kaum. Übrig bleibt der Eindruck eines sexistischen Statistikers, mehr nicht. Schade um das Konzertticket, dass man ihm wohl kostenlos zu Verfügung stellte.

*Das ist falsch: Angela Merkel ist die erste und damit momentan einzige Bundeskanzlerin.
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